Die WM ist lang vorbei, und alle hier waren auch in einem ziemlichen Fußballfieber. Wenn wir gerade mal einen guten Empfang hatten, hat Markus die Spiele auf Großleinwand gezeigt. Da war es hier meistens zwischen 0:00 und 3:00 nachts. Aber es kamen trotzdem Massen von Leuten.
Jetzt ist Biliau wieder im Fußballfieber. Der Govener von der Madang Province hat einen Pokal gesponsert und um den wird ab dem 29. September gespielt. Zuerst sollten 16 Teams zugelassen werden, zwischendurch die Zahl auf 12 reduziert, um dann die Anzahl wieder auf 16 zu erhöhen. Der Termin wurde auch schon mehrfach nach hinten verschoben. Mal sehen, wann es wirklich los geht.
Schon seit Monaten wurde jeden Nachmittag trainiert und Samstags kamen die Teams aus der näheren Umgebung zu sogenannten Freundschaftsspielen.
Vor zwei Wochen wurden dann einige der Teams die schon angemeldet sind (ist ja noch soo lange hin…) namentlich verlesen. Danach haben noch ein paar Jugendliche ordentlich gebechert.
Sogenannten yawa, selbstgemachtes Bier (eher stärker und vorallem zum Teil mit Methanol versetzt, also nicht das gesündeste Gebräu), hier bei uns wird es aus vergorenen Bananen hergestellt. Danach gab es dann eine ziemliche Rauferei, zwischen den Jugendlichen aus den verschiedenen Dörfern. Vor allem haben sie rumgegröhlt und sich gegenseitig die Nasen eingeschlagen. Nele meinte nur ich soll sie doch mal zusammenstauchen, dass sie Ruhe geben, aber zum einen waren sie zu weit weg und zum anderen ist das besser wenn man es am nächsten Tag im nüchternen Zustand macht ;-). Einige haben versucht die Raufbolde auseinander zu kriegen und heim zu schicken, einige sind dann noch gröhlend durchs Dorf gelaufen. Wir haben sie nur von weitem gehört, weil sich nachts eigentlich keiner an unser Haus traut, wegen
Swip, unserem Hund. Trotzdem hat wohl die ganze Nacht ein Sohn von Mireka (unsere ehemalige Frauenbeauftragte) Wache gehalten und geschaut ob es uns da oben auf dem Hügel auch gut geht. Wir sind hier also wirklich gut behütet.
Die Vorraussetzungen für einen ruhigen Spielverlauf sind also nicht gerade die besten, auch wenn die Rauferei mittlerweile wieder “gestretet” also das Problem aus der Welt geschafft wurde. Und zwar mit einem Huhn ein paar Kina, die die Besitzer wechselten und einem Handschlag. Allerdings trauen die meisten diesem Frieden nicht so ganz, weil sich nicht alle Verursacher dieser Schlägerei auch an den “Friedensverhandlungen” teilgenommen haben und der Konflikt auch nicht jetzt erst aufgetreten ist sondern schon länger vor sich hin schwielt.
Hinzu kommt, dass es einige Teams gibt die die ganze Woche hier untergebracht und versorgt werden müssen, weil sie von weiter weg anreisen.
Das ganze bereitet ein Team von ca. 6 Männern vor. So genau kann man das nicht sagen, weil einige einfach nur gerne ihren Namen in dieser Organisationsgruppe hätten. Ausnahmslos alle in der Gruppe sind nicht gerade die großen Organisatoren und bei einigen ist es sogar häufig so wenn sie dabei sind, läuft sicher was schief. Was auch bezeichnend ist: keiner aus dem Dorf der sonst etwas zu sagen hat, bzw. der Autorität hat ist in diesem Team; die halten sich alle sehr bedeckt.
Das ganze wird in bester niugini Manier bestritten: die Übernachtung, sollte zuerst direkt am Strand unter selbstmitgebrachten Plastikplanen stattfinden, es wurde aber bald eingesehen, dass das für eine Woche vielleicht nicht so optimal ist. Jetzt dürfen die Teams in den Klassenzimmern der Primary School schlafen. Nachdem eh Schulferien sind ist das auch kein Problem. Außerdem ist praktischerweise ein Lehrer aus der Schule in der Organisationsgruppe.
Sonstige Versorgung: die Teams sollen halt was zu Essen mitbringen und sich den Rest kaufen. Klingt ja ganz vernünftig, hat jedoch einige Haken. Es werden fast nur Jungs und Männer kommen und nachdem wir hier noch weit von der Emanzipation entfernt sind, werden sie zum einen nicht unbedingt dran denken die nötigen Lebensmittel mitzubringen, und wer soll kochen und woher kommt das ganze Feuerholz?
Zum zweiten ist das mit dem dazukaufen natürlich ein schöner wirtschaftlicher Anreiz für Biliau und alle hier sind auch schon ganz scharf darauf einen Marktstand (der natürlich auch was kostet) zu ergattern um gute Geschäfte zu machen. Aber die wenigsten von Auswärts werden genug Geld bei sich haben, sich für vorr. eine Woche jeden Tag 1-2 komplette Mahlzeiten kaufen zu können. Einige Leute hier machen sich schon Gedanken um ihre Gärten, vor allem die in der näheren Umgebung, ist ja verlockend sich da direkt zu bedienen, vorallem wenn man richtig Hunger hat.
Zur Zeit werden auch schon eifrig Klohäuschen ausgebuddelt und Umzäunungen mit Bananenblättern gemacht.
Clera und ich haben uns da neulich richtig amüsiert. Sie werden nämlich mitten in der Landschaft auf einem Art brachliegendem Acker errichtet. Clera meinte, da können wir von hier oben immer checken wer wie oft aufs Klo rennt. Dazu muss man wissen, dass alles was mit Ausscheidungen zu tun hat hier ziemlich tabu ist. Darüber spricht man einfach nicht (höchstens im zusammenhang mit Krankheit, oder Kinder untereinander oder man kennt jemand richtig gut). Und Toilettenhäusschen, werden entweder auf einem Steg über dem Meer errichtet, oder irgendwo versteckt zwischen Bäumen. Und man verschwindet meist möglichst unauffällig darauf, vor allem bei einer solchen Menschenansammlung. Hier hat man jedoch keine Möglichkeit dazu, weil die Häusschen wirklich direkten freien Blick aufs Fußballfeld und auch die sonstige Umgebung bieten, also mal gespannt wie die angenommen werden, bzw. wie viele lieber so in den Busch verschwinden.
So long,
Christiane